Aus der Eine bis ins Ziel

Westdorf/MZ. Willy Biermann, der stellvertretende Kreisjugendwart im Kreisfeuerwehrverband des Salzlandkreises, hebt die Pistole. Ein Knall und 31,78 Sekunden später jubelt das Team von Westdorf I. „Das ist Bestzeit, so schnell waren wir noch nie“, freut sich Marcus Brune. Der Löschmeister ist nicht nur Jugendfeuerwehrwart der Freiwilligen Feuerwehr Westdorf, er hat auch den Helm für den 6.. Aktionstag der Jugendfeuerwehr auf.

Immerhin neun Jugendfeuerwehr-Mannschaften reisten an, um sich beim Löschangriff nass auf dem Festplatz des Ascherslebener Ortsteiles zu messen. „Angekündigt hatten sich eigentlich 13 Mannschaften, aber wir freuen uns natürlich, dass Wilsleben, Freckleben, Drohndorf und Aschersleben ihre jungen Feuerwehrleute geschickt haben. Aus Mehringen kommen gleich zwei Teams, und wir selbst treten gleich mit einem Trio zum Löschen an.“

Besonders stolz ist Brune, dass eine seiner Mannschaften ausschließlich aus Mädchen besteht, die sich im Wettbewerb mit 37,48 Sekunden sehr gut schlugen. Kein Wunder, startete der Jugendfeuerwehrwart höchstselbst in der Mannschaft mit. Das Reglement sieht nämlich vor, dass zu jeder Mannschaft sechs Jugendliche und ein Mechaniker zählen müssen. „Der Fairness wegen gibt es zwei Altersklassen, in denen um die Pokale gestritten wird, bis 79 und ab 80.“ Lachend erläutert der Feuerwehrnachwuchs, dass dazu das Alter der Jugendlichen addiert werde.

Die Mehringer Kameraden sprinten los.  (BILD: Frank Gehrmann)
Die Mehringer Kameraden sprinten los. (BILD: Frank Gehrmann)

Es ist nicht nur die Geschwindigkeit zwischen Startschuss und Blaulicht, die über den Pokalsieg entscheidet. Die jungen Feuerwehrleute müssen unter den gestrengen Augen des Podestrichters Falk Dahm von der Harzkreis-Feuerwehr Meisdorf die Schlauchverbindungen herstellen, mit Zwischenkupplungen und Verteilern hantieren, damit das Wasser aus der Eine vom Wasserbehälter am Start über eine Pumpe in die Schläuche kommt, die bis zum Spritzen ausgerollt werden. Immerhin zwei Zehn-Liter-Behälter müssen durch ein kleines Zielloch so mit Wasser voll gespritzt werden, dass eine Blaulicht-Leuchte auslöst und somit die Zeitnehmer auf den Knopf drücken lässt. Auch wenn sein erstes Westdorf-Team schneller war, Brune lobt die Zielgenauigkeit der Mehringen: „Die strahlen hier besser, aber trotzdem haben wir sie hier zum ersten Mal geschlagen.“

Eltern, Freunde und Westdorfer Anwohner verfolgen interessiert auf dem Festplatz das Wettkampfgeschehen und das Rahmenprogramm mit Hüpfburg, Spielen, Kuchen und Kaffee. „Ich habe da eine buntes Vorbereitungstruppe, die Eltern ziehen mit. Backen Kuchen und machen Salat, das geht alles über den puren Wettkampf hinaus“, sagt Jugendwart Brune.

Zu Beginn schaute Ortsbürgermeister Karl-Heinz Trinka beim vorbei. Überhaupt sei das Engagement der Stadt groß, meint der Westdorfer Wehrleiter Andreas Beau. Der Ortsbürgermeister sorge für beste Voraussetzungen, die Stadtverwaltung helfe bei der Finanzierung und sponsere Pokale.

Wehrleiter Beau merkt man an, dass er stolz ist auf seine Jugendfeuerwehr. 19 Mitglieder, das sei für ein Dorf schon beachtlich. Dass darunter neun Mädchen sind, erlebe man auch nicht überall. „Eigentlich drücken derzeit uns keine Nachwuchssorgen“, meint der Wehrleiter. „Bloß wir wissen, es gibt da eine gewisse Euphorie. Bei der Feuerwehr ist es toll. Da bringt man dann Kumpels mit. Das hat bei uns so viel Flair, dass wir unterdessen selbst junge Leute aus Aschersleben dabei haben.“ Doch Beau bleibt Realist. „Irgendwann geht es zur Ausbildung oder zum Studium oder die Freundin zieht mehr. Wir wären schon glücklich, wenn wir mehr Nachwuchsleute in unseren aktiven Bestand übernehmen könnten.“ Immerhin 19 Aktive, darunter sieben Frauen, gehören zu den aktiven Löschkräften in Westdorf, auch wenn es dort schon länger keinen „scharfen Einsatz“ gab. So gab es nach dem Wettkampf am Samstag noch ein buntes Programm nicht nur für die Jugendfeuerwehr. Vielleicht ist unter den Steppkes, die danach im Depot nächtigten, ein Feuerwehrmann von morgen?