Die Geschichte der Wehr

In den Jahren um 1890 war die Entwicklung und der Wohlstand der Bürger auch in den örtlichen Gemeinden soweit fortgeschritten, dass es inzwischen recht ansehnliche Gehöfte und Güter gab, die einen beträchtlichen Wertumfang hatten. In den Städten waren auch schon Fabriken und dergleichen Vorhanden.

Natürlich reichte nun eine Brandbekämpfung mit Eimerketten oder Ähnlichem auf keinen Fall mehr aus. Man machte sich Gedanken, geeignete Leute bzw. Mannschaften auszubilden, sowie Geräte anzuschaffen und somit Feuerwehren zu gründen.

Es wurde ein Gesetz im Herzogtum Anhalt über das Feuerlösch- und Rettungswesen erlassen, wo es unter anderem im § 3 heißt: „ Jede Gemeinde und jeder selbstständige Gutsbesitz ist verpflichtet

  1. die nach Größe und örtliche Verhältnisse der Gemeinde oder des Gutbesitzes von der Aufsichtsbehörde zu bestimmenden Feuerlösch- und Rettungsgeräte anzuschaffen und im brauchbaren Zustand zu halten.
  1. die erforderliche Spannleistung sowie für das Vorhandensein von Löschwasser zu sorgen.
  1. eine zweckentsprechende, ausgerüstete und sachgemäß ausgebildete Lösch- und Rettungsmannschaft – Feuerwehr – zu schaffen.“

Da es auch in Mehringen solch angesehene Gehöfte wie z.B. Hof Mögling, Hof Brennecke, Hof Schneidewind sowie die Ziegelei und Landwirtschaft von Oskar Wagner gab, wurde dann entsprechend des Gesetzes am 7. Juni 1896 unsere Feuerwehr, unter der Leitung von Kamerad Hugo Mögling gegründet. Diese Gründung wurde in der einberufenen Gemeinderatversammlung am 11. Juni 1896 bekannt gemacht.

Unser Ort Mehringen gehörte damals zum Landkreis Bernburg. Alle Feuerwehren von Anhalt waren zusammengefasst und im anhaltischen Feuerwehrverband mit den Kreisen Dessau, Bernburg, Köthen, Ballenstedt und Zerbst organisiert.

Die Oberaufsichtsbehörde über das Feuerlösch- und Rettungswesen war die Herzogliche Regierung, Abteilung des Inneren. Der Anhaltische Feuerwehrverband organisierte Verbandstage, an denen die Wehrleiter der Kreise und auch einzelne Kameraden großer Wehren teilnahmen. Die Arbeit der Feuerwehren, die Anschaffung von Geräten und Ausrüstungen, die finanziellen Zuwendungen, eben alle Fragen der Arbeit der Wehren wurde dort beraten und teilweise als Gesetzesvorlage der Abt. Inneres der anhaltischen Regierung vorgelegt.

Ein Verbandstag fand am 24. Juli 1898 in Hoym statt. Die älteste Wehr des Verbandes war Bernburg, gegründet 1855. Für das Feuerlöschwesen der einzelnen Orte war der Bürgermeister bzw. Amtsvorsteher des jeweiligen Polizeibezirkes (Gemeinde) verantwortlich.

Nach der Gründung unserer Wehr war die erste Sitzung am 15. August 1896. Dort wurde das Statut verlesen, dann die Namensliste der gemeldeten Angehörigen und anschließend alle, vom Kameraden Mögling per Handschlag vereidigt bzw. verpflichtet. Ferner wurden bei dieser Sitzung „3 Mitglieder zu Fahrern per Rad bei Feuergefahr“ verpflichtet.

Damals waren schon die Kameraden bzw. die Arbeit der Feuerwehr durch § 113 des StGB gesetzlich geschützt. Es war Strafbar, wenn keine Hilfe nach Aufforderung der Feuerwehr geleistet wurde.

Für Mitglieder der Feuerwehr wurden Ehrenzeichen herausgegeben. Alle Kameraden wurden in ihre Funktion bzw. Aufgaben eingeteilt und festgelegt, wer z.B. Steiger ist, wer die Spritze, und wer den Zubringer bedient.

Im ersten Jahr des Bestehens wurde unsere Wehr zum Feuer gerufen. Laut Protokoll: „Nach Wiederstedt abends 09.00 Uhr, waren 22:45 Uhr dort und hatten nach 10 Minuten Wasser gegeben und waren noch eher da, als die Ortsspritze selbst.“

Im § 8 des Gesetzes über Feuerlösch- und Rettungswesen hieß es: „Jede Gemeinde und jeder Gutsbezirk ist verpflichtet, den Nachbargemeinden im Umkreis von 7km – ohne Rücksicht auf In- oder Ausland – unentgeltliche Lösch- und Rettungshilfe zu leisten. Die Kosten einer etwaigen Beschädigung der Geräte, Ausrüstungsgegenstände und Zugtiere der hilfeleistenden Gemeinden sind von der Gemeinde des Brandortes zu tragen.“

In den folgenden Sitzungen, die in der Regel am 15. des Monats stattfanden, meldeten sich neue Mitglieder. Es wurde abgestimmt, wer für und wer gegen die Neuaufnahme ist und im Protokollbuch genau festgehalten, da z.B. der Kamerad Gottfried Ottenroth mit 25 gegen 3 Stimmen aufgenommen wurde. Es wurden auch Kameraden wegen ungebührlichem Betragen aus der Wehr ausgeschlossen und ein Ehrengericht gewählt, welches zu verhandeln hatte, wenn ein Kamerad 3 mal unentschuldigt den Dienst der Feuerwehr nicht besucht hat.

Unsere Wehr erhielt 1898 eine Einladung zum 15. Deutschen Feuerwehrtag nach Charlottenburg. Bereits im Jahre 1898 gab es schon eine Herbstinspektion bzw. Fahrzeugappell, aber gewaltig strenger und Umfangreicher als heute. Es war der so genannte „Besichtigungstag“ der in der Regel im Juni jeden Jahres stattfand. Hier mussten sämtliche Kameraden zugegen sein, alle Geräte vorgeführt werden, sowie mit den einzelnen Geräten die jeweiligen Kameraden Übungen vorführen. Unsere Spritze hatte damals schon eine Saughöhe von 7,21 m. Den Abschluss bildete eine von der Kommission bestimmte Einsatzübung an einem Objekt mit bestimmten Aufgaben (z.B. Kletterband).

In der Vorstandssitzung der Wehr am 1. Dezember 1898 wurde beschlossen, „wer sich einem Befehl der vorstehenden Offiziere widersetzt, ist eine Geldstrafe von 3,00 Mark zu nehmen.“

Am 31. Januar 1899 war unsere Wehr beim Feuer beim Ökonom Christian Langenstraß eingesetzt.

Am 7. Juni 1899 lief die Vereidigung der Kameraden für drei Jahre ab. Es erfolgte eine neue Vereidigung und alle Mitglieder mussten dies mit persönlicher Unterschrift im Protokollbuch bestätigen. Dort sind 38 Unterschriften. Fünf mal taucht der Name Pupke auf.

Die Leitung der Wehr setzte sich 1899 wie folgt zusammen: Hugo Mögling (Hauptmann), Wilhelm Homuth (Stellvertreter), Gustav Pupke (Zugmeister), Bernhard Erbe (Steigeroffizier) und Reinhold Krumhaar (Schriftführer). Diese Kameraden wurden durch Stimmzettel gewählt.

Am 26. Mai 1899 gab es einen Feuerlöschdeputations-Beschluss, wonach bei größeren Bränden die Brandbekämpfung in der Hand des Feuerlöschkommissars (Einsatzleiters) lag, der seine Hauptleute nach gemeinsamer Lagebesprechung auf Abschnitte einteilte. Diese wurden kenntlich gemacht und arbeiteten dann nach der Weisung des Hauptkommissares selbstständig. Es bestand so die Einteilung wie sie heute ist: Befehlsstelle, Brandabschnitte und Abschnittsleiter.

Unsere hiesige Feuerwehr war im Januar 1902 beim Gutsbesitzer Wichmann in Drohndorf und im April 1903 ebenfalls in Drohndorf beim Bäckermeister Bock mit im Einsatz.

Die Feuerwehr Mehringen erhielt im Jahre 1903 vom anhaltinischen Feuerwehrverband einen Zuschuss von 200 Mark zur Anschaffung von Bekleidung (Joppen). Im gleichen Jahr wurde beraten, Rauchschwämme anzuschaffen.

Schon in diesen ersten Jahren des Bestehens unserer Feuerwehr war der Einsatz durch das Rote Kreuz erforderlich. So wurde aus der Wehr Kamerad Tetzner im Roten Kreuz Verein ausgebildet, der sich bereit erklärte, bei Unfällen Hilfe zu geben und im Dienst eine weiße Armbinde mit rotem Kreuz zu tragen.

In der Sitzung am 24. Februar 1906 wurde über den Neubau des Steigerturmes beraten. Dieser wurde im gleichen Jahr am 15. August fertig gestellt. Gleichfalls wurde die Rechnung in Höhe von 691,51 Mark der Leitung vorgelegt. Davon musste die Gemeinde 345,75 Mark zahlen, und 330,00 Mark kamen aus der Landesbrandkasse. 17,50 Mark konnten durch den Verkauf alter Bruchsteine zusätzlich vereinnahmt werden.

Zum weiteren Einsatz wurde die Wehr am 17. Dezember 1906 um 2 Uhr nachts alarmiert. Hier waren beim Gastwirt Alwin Hofmann zwei Benzinflaschen explodiert.

Am 19. Januar 1907 kam die Wehr zum Einsatz beim Gutsbesitzer Gröper in Arnstedt, wo der Schafstall und die Scheune brannten. Am 15. August im gleichen Jahr brannten beim Sattler Willi Hädecke die Scheune und der Schuppen.

Nach solchen Einsätzen erhielt die Wehr eine Versicherungsprämie in Höhe von 25 Mark.

An Ausrüstung hatte die Wehr im Jahre 1907 einen Zubringer, 2 Steigleitern, 45 m Schläuche, 1 Wasserwagen, 1 Leiterwagen und Verbandskasten angeschafft. Dazu wurden vom Kameraden Mögling 100 Mark geborgt, die nach Erstattung des Geldes durch die Gemeinde zurückgegeben wurden.

Kameraden der Feuerwehr Mehringen, 1908

Hintere Reihe v.l.

Fritz Pupke, Bernhard Pupke, Karl Pupke, Otto Frellstedt, Fritz Einicke,
Albert Brauns, Leopold Wilke, ???, Hermann Ziege, August Hobein, Albert Knoche

Julius Ramdohr, Franz Scheller, Gottfried Schreiber, Gottfried Ottenroth,
Gustav Notnagel, Georg Pupke, ???, ???, ? Dunkelberg, Christian Wilke

Gotthold Schulze, Friedrich Ramdohr, Hermann Fest, Wilhelm Homuth,
Hugo Mögling, Gustav Pupke, Bernhard Erbe, Gustav Könnecke, Robert Dahl, ???

Vordere Reihe v.l.

Franz Volkmann, Heinrich Ottenroth, Franz Bohnenstedt

Durch einen Blitzschlag am Wohnhaus Friedrich Osterburg am 12. September 1909 war ein Einsatz notwendig. Zu diesem Zeitpunkt setzte sich in der Regel jede Wehr aus aktiven Mitgliedern, passiven Mitgliedern und Alterskameraden zusammen.

Im Juli 1912 erhielt die Wehr vom Anhaltinischen Feuerwehrverband eine „Normal-Übungsordnung für Freiwillige Feuerwehren“. Außerdem kam eine Preisliste und Gebrauchsanweisung für Handfeuerlöschgeräte von der Firma Plivius Feuerlöscher-Gesellschaft Hamburg.

So nach und nach hielt moderne Technik Einzug.

Im November 1912 war die Wehr zum Brand der Scheune des Herrn Hakenthal nach Groß Schierstedt gerufen worden. Des Weiteren kam die Wehr am 19. Mai 1913 bei Helmholz in Drohndorf zum Einsatz.

Ein Höhepunkt für die Wehr war der Reichsfeuerwehrtag am 27. Juli 1913 in Leipzig, wo die Wehr mit 13 Kameraden vertreten war und einen Reisezuschuss von der Ortsbehörde von 50 Mark erhielt. Für die Teilnahme und Interesse an der Tagung erhielt die Wehr Mehringen vom Verbandsvorsitzenden Dr. Pitschke ein Belobigungsschreiben.

Es folgten schwere Jahre der Kameraden der Feuerwehr. Der erste Weltkrieg war ausgebrochen, drei Kameraden von der Wehr wurden eingezogen. Laut Protokollbuch wurden von 1915 bis 1920 keine Sitzungen durchgeführt.

In der Sitzung am 9. Januar 1920 wurden von Herrn Brandmeister Hugo Mögling 9 neue Mitglieder vereidigt.

Am 12. Juni 1921 feierte die Wehr ihr 25-jähriges Stiftungsfest. 20 Gründer Kameraden erhielten für ihre 25 jährige Dienstzeit eine Ehrung. Es waren die Kameraden: Hugo Mögling, August Hobein, Wilhelm Homuth, Gottlieb Dunkelberg, Bernhard Erbe, Heinrich Ottenroth, Albert Brauns, Franz Volkmann, Albert Knoche, Christian Wilke, Friedrich Pupke, Franz Scheller, Friedrich Einicke, Gottfried Schreiber, Hermann Ziege, Gottfried Ottenroth, Bernhard Pupke, Gotthold Schulze, Otto Frellstedt und Friedrich Ramdohr. Die Festrede hielt Kamerad Pfarrer Unger am Wilhelmstein, der 1914 als passives Mitglied der Feuerwehr beigetreten war.

Wehrleitung, ca. 1930
Wehrleitung, ca. 1930

Hintere Reihe v.l.: O. Nothnagel, R. Hübner, H. Fest, P. Ziege, K. Müller
Vordere Reihe v.l.: O. Bauske, F. Pupke, ???

In der Zeit der Inflation musste ein Kamerad, der Mitglied der Feuerwehr werden wollte, 50.000 Mark bezahlen. Alle Kameraden zahlten in den Jahren 1923/24 einen monatlichen Beitrag von 1.000 Mark.

Erneut musste unsere Wehr zum Einsatz im Oktober 1923 zum Brand nach Drohndorf zu Helmholz und im Januar 1924 ins Drohndorfer Gipswerk.

Das 30-jährige Stiftungsfest wurde am 7. Juni 1926 nur unter den aktiven Kameraden mit ihren Damen gefeiert.

Im Jahre 1926 war der Amtsvorsteher Ottenroth aus Drohndorf gleichzeitig Feuerwehrkommissar. Zu einem 4-wöchigen Ausbildungskurs in der Dessauer Berufsfeuerwehr wurden 3 Kameraden von Mehringen delegiert. Nach fast 33 Jahren legte Brandmeister Hugo Mögling am 15. Januar 1929 sein Amt nieder. Der Stellvertreter Kamerad Wilhelm Homuth übernahm bis zur Neuwahl, die am 15. September 1929 stattfand, die Leitung der Wehr. Auf dieser Wahlversammlung wurde einstimmig Kamerad Bernhard Erbe zum Brandmeister gewählt und Kamerad Friedrich Pupke zum Brandmeister-Stellvertreter.

Im Jahre 1930 spricht man das erste Mal von Löschgemeinschaften. Unsere Löschgemeinschaft bestand aus den Wehren Unter-Wiederstedt, Sandersleben, Freckleben, Drohndorf, Mehringen, Schackstedt und Schackenthal. Diese Wehren sollten sich bei größeren Bränden Unterstützen, damit wegen der großen Kosten keine Motorspritze angefordert werden musste. Ein Ausrücken der Wehren erfolgte sofort bei sichtbar werdendem Feuerschein.

Scheune und Ställe brannten am 4. Januar 1931 bei Gustav Hädecke.

Zur Vertiefung der Kenntnisse im Brandschutzwesen wurden durch Kameraden der eigenen Wehr Vorträge gehalten. So z.B. im Juli 1931 ein Vortrag über die Entstehung verschiedener Blitze. Sanitätskurse wurden von Dr. Heißmeier sen. durchgeführt.

Im Jahre 1932 fand in unserer Wehr eine Neuwahl des Kommandos (Leitung) statt. Für den erkrankten Schriftführer Albert Brauns erhielt als Nachfolger Kamerad Fritz Hübner die Stimmmehrheit.

Da auch der Wehrleiter Brandmeister Erbe aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niederlegte, musste auch hier Neuwahl erfolgen. Mehrere Vorschläge waren vorhanden, wobei Kamerad Otto Bauske, der erst 8 Jahre in der Wehr tätig war, die Mehrheit erhielt.

Kameraden um 1933
Kameraden um 1933

Hintere Reihe v.l.

Karl Müller, Otto Wendenburg, Alwin Milius, ? Schmidt (bossmann),
Wilhelm Stäker, Gustav Homuth, Bernhard Erbe, Hermann Bursch, Hermann Ramdohr

Fritz Einicke, Otto Notnagel, Walter Pupke, ? Stäuber, Georg Volkmann, Albert Wilke,
Hugo Hobein, Hermann Ziege, Otto Vopel, Otto Stäuber, August Hobein, Hermann Fest, Otto Frellstedt

? Frellstedt, Paul Ziege, Fritz Hübner, Otto Bauske, Fritz Pupke,
Bernhard Pupke, Fritz Einicke (sen.)

Vordere Reihe v.l.

Gustav Thielecke, Erich Jammermann, Albert Schreiber

Auf dem Gebiet des vorbeugenden Brandschutzes gab es seit etwa 1934 erste Fortschritte. Als erste Aufgabe galt die Unfall- und Schadenverhütung und zweite Aufgabe die Bödenentrümpelung, die von den Kameraden selbst durchgeführt wurde. Laut Weisung des Kreisbranddirektors sollten 10 Prozent der Kameraden als Sanitäter ausgebildet sein. Aus dieser Weisung geht hervor, dass die Wehren ihre Tätigkeit auch auf die Zukunft ausrichten sollen und deshalb die Herausbildung von Jugendwehren empfohlen wird.

Im Februar 1935 war der Gasschutzunterricht in Bernburg, woran 2 Kameraden der Mehringer Wehr teilnahmen.

Seit 1936 gab es laut Wehrbefehl des Kreiswehrführers (vorher Kreisbranddirektor) Feuerpässe, die in der Uniform ständig zu tragen waren.

Laut Wehrbefehl Nr. 9 wird die Pflicht der Feuerwehr zum Luftschutz geregelt. Jetzt wechselte auch die Bezeichnung Feuerwehrkommando und die Wehren unterstehen als Feuerlöschpolizei dem Polizeiverwalter. Die Wehren mussten in Altersgruppen eingeteilt werden. Es heißt auch nicht mehr Wehrleiter oder Brandmeister, sondern der Wehrführer eröffnet die Sitzung und der Kamerad Bauske wird Hauptbrandmeister und somit für die Löschzüge Drohndorf und Freckleben mit verantwortlich, welche an den Sitzungen in Mehringen durch jeweils 2 Kameraden vertreten waren (Mehringen – Stützpunkt).

Im Jahre 1937 bekamen die Kameraden neue Mitgliedsbücher, wozu auch ein Hilfspolizeiheft gehörte sowie ein Polizeiabzeichen, das auf dem linken Oberarm getragen wurde. Man spricht nicht mehr von „Gut Wehr“, sondern von „Wehr heil“.

Die bekannte Welle als Flutgraben in der Gemeinde hat die Gemeinde 1937 erstmals in Schwierigkeiten gebracht und die Wehr musste zum Hochwasser eingesetzt werden. Am 21. Mai 1937 war in Mehringen eine Hochwasserkatastrophe. Am 20. November brannte das Wirtschaftsgebäude bei Karl Schmidt.

1938 hielt auch moderne Technik in Mehringen Einzug. Die Wehr erhielt eine Motorspritze und führte damit bereits eine Übung im Dezember 1938 in Aschersleben durch.

Nicht nur Technik und Arbeit gehört zum Leben einer Wehr, sondern auch Kultur. So wurde unter Leitung von Kamerad Ruppe ein Spielmannszug aufgestellt, woraus sich die Feuerwehrkapelle entwickelte.

Am 28. August war in Bernburg ein Landesaufmarsch, gleichzusetzen mit einem Kreisausscheid. Ein Wehrbefehl von 1938 legt fest, dass alle aktiven Kameraden ein Sportleistungsabzeichen ablegen sollen.

Für die Kameraden und den Ort kam die allerschlimmste Zeit: Der zweite Weltkrieg. Die Anzahl der Mitglieder der Wehr war durch die eingegangenen Stellungsbefehle zum Kriegsdienst erheblich geschrumpft. Die Kameraden wurden über das Verhalten bei Fliegeralarm geschult.

Im Jahre 1940 war die Wehr reich an Arbeit durch Luftschutzübungen und vormilitärischen Ausbildungen. So wurden 50 Dienstabende und 8 Versammlungen durchgeführt.

Im Februar 1942 war die Wehr zur Bekämpfung des Hochwassers eingesetzt. Auf der Insel hatten sich Eislager gebildet. Unter Mithilfe eines Sprengkommandos aus Güsten erfolgt die Beseitigung der 60 cm dicken Eisschicht.

Unsere Wehr wurde 1943 zu Straßenkontrollen eingesetzt, wegen flüchtigen Kriegsgefangenen.

Der erste Fliegeralarm war am 16. Januar 1943, um 20:06 Uhr. Ab Mai 1943 kam es zu laufenden Fliegeralarmen und die Wehr erbaute noch eine zusätzliche Wasserentnahmestelle an der Aschengrube. Laut Protokollbuch war 1943 88 mal Fliegeralarm.

Am 21. Januar 1944 wurde auch unser Mehringen betroffen, es fielen 200 Brandbomben, 30 Phosphorbomben und 1 Sprengbombe knapp außerhalb der Ortschaft zwischen Weinberg und dem Weg Groß Schierstedt. Mehringer und Güstener Kameraden haben diese ausgegraben und unschädlich gemacht.

Bei jedem Alarm beobachtete die Bevölkerung mit Schrecken, in welche Richtung die Bomber flogen. So auch am 20. Februar 1944 in Richtung Bernburg und am gleichen Tag konnte man sehen, welches Schicksal Aschersleben erteilte.

Die seitenlangen Fliegeralarmaufzeichnungen konnten am 17. April 1945 endlich beendet werden. Unser Ort wurde um 09:10 Uhr von den amerikanischen Truppen besetzt. Durch die Vereinbarung von Jalta wurden dann am 2. Juli die amerikanischen Truppen von den sowjetischen Verbänden abgelöst.

Die Feuerwehr nach 1945

Die erste Nachkriegsversammlung wurde am 1. Dezember 1945 unter der Leitung des Kameraden Hampel und seines Stellvertreters Walter Kuwald durchgeführt. Beide Kameraden wurden auf dieser Versammlung, durch den Bürgermeister Hädecke, als Wehrführer und Stellvertreter ernannt. Damit das Leben und die Kameradschaft wieder beginnen sollte, wurde traditionsgemäß ein gemeinsames Silvestervergnügen durchgeführt.

Am 9. Februar 1946 hatte unsere Wipper Hochwasser und bereits den Stand von 1937 überschritten. Die Grundstücke der Papiermühle, Grüne Gasse, von Bauer Lampe bis Richard Ziegler sowie von Otto von Hoff bis Walter Ziege standen unter Wasser. Fünf Tage wurde mit allen verfügbaren Pumpen gearbeitet.

Zum 50-jährigen Bestehen der Wehr, im Juni 1946, waren noch die vier alten Mitbegründerkameraden O. Frellstedt, H. Ziege, B. Pupke und Aug. Hobein anwesend. Sie konnten das für sie seltene Fest miterleben. Dieses Fest wurde nur unter den Kameraden mit ihren Ehepartnern, ohne auswärtige Gäste, gefeiert.

Ab 15. November 1946 amtierte als Wehrleiter der Kamerad Walter Kuwald, der die Leitung der Wehr offiziell am 1. März 1947 übernahm.

Erneut kam es 1947 zu Hochwasser. Ab Januar war Eisgang auf der Wipper. Die Kameraden aus Bernburg haben im März die geschlossene Eisdecke unter der Franzosenbrücke beseitigt. Die Wipper führte weiter Hochwasser und Treibeis, so dass die anliegenden Grundstücke zur Vorbeugung geräumt werden mussten. Bei diesem Hochwasser wurde die Winkelbrücke von den Wassermassen weggerissen.

Zum Wohnungsbrand nach Schackstedt wurde die Wehr am 31. Juli 1948 gerufen.

Auf dem Wagnerischen Grundstück brannte am 18. Juli 1949 die Scheune durch Funkenflug der Eisenbahn.

Ein Großfeuer hatten wir am 11. November 1950 in Mehringen. Beim Landwirt Gustav Ziegler standen um 04.38 Uhr Scheune und Stallungen in hellen Flammen. Durch starken Sturm waren die Nachbargehöfte in großer Gefahr. Nach aufopfernder Arbeit der Kameraden und der Einwohner konnte sämtliches Vieh und fast alle landwirtschaftlichen Geräte gerettet werden. Beim Großfeuer mussten 38 C und 43 B Schläuche verlegt werden. Zusätzlich kam noch die Feuerwehr aus Aschersleben zum Einsatz.

Im September 1950 bildete sich in Mehringen eine Jugendgruppe unter der Leitung von Kamerad G. Senitz. Dieser ersten Jugendgruppe gehörten die noch heutigen Mitglieder K-H. Dolge und Hans Schulz an. Nach Neuzugängen in der Gruppe in den folgenden Jahren übernahm die Leitung Kamerad G. Barby. Vor dieser Gruppe stand die Aufgabe, die 1955 herausgegebene Vorschrift „Grundübung Gruppe“ schnell in die Tat umzusetzen. Das dies gelang, zeigten die jungen Kameraden bei einem Ausscheid innerhalb des Kreisgebietes, wo sie als Sieger hervorgingen.

60 Jahrfeier der Wehr 1956
60-Jahrfeier der Wehr 1956

Die Wehr beging am 10. Juni 1956 ihr 60-jähriges Stiftungsfest. Kamerad B. Pupke wurde dabei für 60-jährige Dienstzeit und als einziger noch lebender Mitbegründer der Feuerwehr ausgezeichnet.

Der erste Schritt zur neuen Technik war eine TS, die wir am 17. Dezember 1959 erhiehlten.

Die erste Wirkungsbereichstagung fand im Januar 1960 in Schackenthal statt.

Bei einer Komplexuntersuchung im Frühjahr 1961 wurden 160 Häuser einbezogen. Dabei nahmen außer dem Wirkungsbereich Giersleben noch Kameraden aus Ermsleben, Reinstedt und Aschersleben teil.

In diesen Jahren gab es in Mehringen noch Kinoaufführungen. Es mussten regelmäßig Kameraden als Kinowache aufgestellt werden.

1964 brannte in der Klosterstraße beim Bürger Jammermann der Stall und der Dachstuhl des Wohnhauses.

Durch den Tod des Wehrleiters und Leiter der Feuerwehrblaskapelle im Jahre 1967 übernahm ab 1. Januar 1968 der Kamerad Achim Milius die Leitung der Wehr.

Dachstuhlbrand im Spätherbst bei der Familie Gustav Schewe, Siedlung 15. Aufgrund der langen Wegstrecke musste die Ascherslebener Wehr mit dem Tanker und dem Schlauchwagen angefordert werden. Auch die Kameraden aus Groß Schierstedt, mit dem selbst hergestellten Tankwagen waren im Einsatz.

In diesem Zeitabschnitt hielt neue Technik Einzug. So erhielten wir ein Kleinlöschfahrzeug B-1000, der später durch den LO ausgetauscht wurde. Außerdem die dazugehörenden Druckluftatmer, wodurch auch regelmäßige Übungen erforderlich waren.

Die Feuerwehr kam zum Einsatz bei Familie Friese, Papiermühle. Weiterhin beim Brand eines LKW auf der B6, der mit Skoda Ersatzteilen beladen war. Der nächste Brand war ein LKW mit Kinderbetten in Schackstedt.

Im darauf folgenden Sommer war ein Häckslerbrand, dicht an einem großen Schlag Weizen.

Großen Gesprächsstoff gab es nach dem Brand von Joseph Hohmanns Scheune. Dieser wurde von einem betrunkenen Bürger verursacht.

Was neue Technik bedeutet, lernte unsere Bevölkerung kennen, als in der Scheune Ziegler die Kohlen brannten.

Erinnert werden soll an den Strohdiemenbrand in der Schweineaue, sowie an dem Brand in der Wohnung H. Näbe.

Zur weiteren Erhöhung der Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kameradinnen und Kameraden trug auch ein neues Gerätehaus, das aus einer alten Scheune und mit einem Schulungsraum 1968 übergeben werden konnte. Durch die Kameraden wurde hierbei in freiwilligen Einsätzen ein Wertumfang von 18.000 Mark erarbeitet. Hervorgehoben werden soll hierbei die Einsatzfreudigkeit der damaligen älteren Kameraden wie Paul Wilke, Kurt Hedermann, Walter Kuwald und Albert Schreiber.

Im zurückliegenden Zeitraum gab es große Anstrengungen, um die Arbeit unserer Wehr zu verbessern, vor allem durch vorbeugende Tätigkeit und Erhöhung der Einsatzbereitschaft, Brände zu verhüten. Jahreshauptversammlungen, Jubiläen wurden genutzt, um Kameraden für ihre langjährige Treue zur Feuerwehr und aktive Mitarbeit zu danken. So u.a. der Kamerad B. Erbe jun., der durch seinen persönlichen Einsatz Anteil am Zusammenhalt der Wehr hat. Er selbst dient seit 1944 der Wehr. Er war als Maschinist, Gerätewart für Atemschutz, Gruppenführer und stellvertretender Wehrleiter tätig.

Fortsetzung folgt…